Nachrichten‎ > ‎

Die LangstreckenheldInnen auf der Elbe unterwegs - Dresdner Schlössercup 2014

veröffentlicht um 04.07.2014, 23:12 von Thomas K.

Anfang Mai und der Wetterbericht verkündet  gerade mal wieder zutiefst herbstliches Wetter in

Dresden.  Ja, nach Dresden sollte es gehen! Habe gar nicht mitgezählt, wie oft der Name der Stadt in

 den letzten Monaten gefallen ist. Aber klar, genau dieses Rennen diente den Unentwegten, welche

ab Oktober immer sonntags trainierten, als Motivation. Ok, bei mir tat der tägliche Blick in den

 Spiegel ein Übriges (Es muss sicher nicht erwähnt werden, dass ich damit nicht graues (Rest-) Haar

 oder Falten meine, sondern das, was sich unterhalb des Halses so zeigte). Und wir sind jedes Mal 7

 bis 8 Kilometer gefahren, sodass uns die Renndistanz einigermaßen bekannt vorkommen sollte. Mal

sehen, ob die verbesserte Langstreckenform der acht Leute auch Auswirkungen haben wird.

Angereist wurde zutiefst individuell. Am Mittwoch, Donnerstag oder Freitag. Aus dem Süden, Osten,

Norden oder Westen (denn Gerald, Eike und Olli waren auch dabei). Mit dem Auto, der Bahn oder

dem Flugzeug. Das ist ja unter anderem das Schöne am Schlössercup, dass für Leute, die Zeit und Lust

 haben, auch schon die zwei Tage vor dem Wettkampf von den Organisatoren ein Programm

 organisiert wird. Da ich erst Freitagabend ankam, war ich bei der Wanderung in der Sächsischen

Schweiz nicht dabei.

 

Am Freitag ab 20 Uhr dann der erste "offizielle" Mannschaftstermin (mehr als die Hälfte der Leute

 dabei): Abendessen in einem "Großrestaurant" (Eigendefinition) am "Blauen Wunder". Ja, es war

 groß und auch die Karte lang (obwohl Christian Rach doch immer sagt, die Karte sollte nicht zu

 umfangreich sein…), aber mehrmaliges Auf-und-Ab mit den Augen fand nur zwei vegetarische

 Gerichte. Schenkelklopfend  würde man wohl meinen: Hier ist die Welt noch in Ordnung… Und es

 konnte Convenience vermutet werden…  Also panierter Camenbert. Grund für die Entscheidung: mit

 Preiselbeeren UND Birne. Als Nachtisch natürlich Eierschecke, der Topfen leider nicht ganz so locker

 wie erhofft, die Ei-Masse aber sehr gut. Dann gemütlich an der Elbe entlang zum Wettkampfgelände,

 zur traditionellen Entzündung des Drachenfeuers. Es war schon dunkel. Vorsicht: (Wasser-)vogel-

Trümmerl auf dem Weg! Gerade noch rechtzeitig angelangt. Der Rest der Truppe war auch schon da.

Großes Hallo. Die "Dragolympischen Spiele" waren eröffnet, gleichzeitig auch der Wettbewerb um

 den "Thekenpokal". Kurz vor Elf machte ich mich dann los in Richtung Hotel (Ja, ich weiß, eine

schwache Kür!. Echte DrachenbootlerInnen übernachten auf dem Campingplatz! (Anm.: einige

Wenige von uns  taten dies auch.) Aber irgendwie hat sich das in unserem Team so entwickelt bzw.

 war schon immer so. Und zwar altersunabhängig. Die paddelnde Bequemlichkeit. Der paddelnde

Wohlstand… "Die" und "Der" hier bitte nicht unter dem Genderaspekt betrachten!).  Und nun folgte

mal wieder ein für mich typischer Klassiker des individuellen Verhaltens… Am Schillerplatz

angekommen, wies die Anzeige eine Wartezeit von 14 min auf den nächsten Bus aus. Also, warum

nicht zu Fuß? Karte hatte ich zwar keine, aber irgendwie war die Richtung grob bekannt. Scheint

falsch zu sein, also wieder zurück zum Schillerplatz. Bus schon weg, jetzt 16 min warten. Nicht mit

mir! Somit zweiter Versuch. Irgendwie werden die Straßen immer weniger beleuchtet und kleiner.

Kann das sein? Sicherheitshalber wieder zurück. Diesmal den Bus gerade so geschafft. Und siehe da,

der zweite Versuch wäre nicht einmal schlecht gewesen. Aber die Strecke so lang! Wär ein g'scheiter

Marsch gewesen... Somit war ich der zweite, der ins Hotel aufbrach und der letzte, der dort ankam…

 

Frühmorgens dann Temperaturen unter 10 °C und leichter Regen. Und die Veranstaltung wird den

ganzen Tag andauern! Egal, immerhin hatte ich ja eine lange Unterhose vom Vater dabei

(Baumwolle. Funktionstextilien sind etwas für lasche Typen!). Dafür aber wenig Wind und auch wenig

Strömung. Eike kam auch noch rechtzeitig aus Potsdam angedüst. Na dann kann es ja losgehen! Zu

Beginn das 800 m – Rennen, welches die Startreihenfolge für die lange Strecke definiert. Wie

vermutet, ein altes Boot, aber das Hüftpolster sitzt! Alle Teams in die Boote. Nicht ganz so einfach

wie gedacht. Der Steg ist am Abtauchen. Also immer schön der Reihe nach. Interessantes Gespräch

zwischen den Organisatoren. Die Wasserschutzpolizei meldet sich gerade und weiß nichts von der

Veranstaltung. Diese war für den morgigen Sonntag angemeldet… Lieber nicht darüber nachdenken,

was passiert, wenn sie sich ganz korrekt an ihre Vorgaben halten… Dann der Start. Zeitlauf, ohne

GegnerInnen. Schwierig einzuschätzen, was wir aufs Wasser bringen. Das persönliche Gefühl ist nicht

so optimal. Irgendwie läuft es nicht so richtig. Aber egal, durchziehen. Vorletzte. Nah an den

Vorvorletzten dran. Das wäre vielleicht noch drin gewesen. Nicht aussteigen, gleich im Boot bleiben.

Ganz schön frisch. Das Startprozedere war diesmal doch anders. Die letzten aus dem 800 m – Rennen

starteten zuerst, danach alle anderen im Massenstart. Das kann ja was werden! Und es wurde was…

 

Der Start. Acht Boote im Pulk, neben- und hintereinander. Wellengang. Aber kein Grund zur

Beunruhigung, Ronny ist ja ein alter Steuerfuchs, der hat das im Griff. Die Langstreckenprofis legen

einen Raketenstart hin und ziehen gleich vorweg. Das ist nicht unsere Liga. Wir fahren gepflegt los,

wichtig ist, den Kontakt zum Mittelfeld nicht zu verlieren. Somit geht es stromabwärts fast die

gesamten 4 km in Schlagdistanz hinter vier Booten her. Wobei es schon den Anschein hat, als würden

wir nicht wirklich näher kommen können. Und es  läuft auch etwas zäh, ich hatte gehofft, die

Strömung schiebt etwas stärker. Aber im Training ging ja hinten heraus immer noch Einiges…

 

Dann die Wende. Ein Supermanöver von Ronny, sehr eng gefahren und schon waren wir an den

anderen dran. Da war jetzt keine Bootslänge mehr dazwischen. Druck erhöhen, aber ruhig bleiben.

Wenn die anderen vor uns eng zusammen fahren, nehmen sie für uns einen Teil der Strömung weg.

Ohne Zwischenspurt kommen wir näher und näher. Schön konstant bleiben. Hinter uns wird Druck

gemacht, also auch langsam erhöhen. Überholmanöver starten, langsam Ausscheren. Schön auf der

Welle der anderen reiten (Ob das wirklich funktioniert, sei dahin gestellt. Im Kajak- und Kanu-

Rennsport bringt das allerdings echte Vorteile.). Ein Wahnsinn, wir kommen immer näher. Und es

 läuft wie im Training. RUMMS!!! Was war das?? Ein Boot vor uns war ausgeschert und wir sind voll

hinten drauf gefahren. Hoffentlich werden wir nicht disqualifiziert! Aber wahrscheinlich wollte der

andere Steuermann  "zumachen". Und zwar zu spät. Das Tempo war jetzt kurz draußen, aber nur

sehr kurz. Mit jedem Schlag holen wir auf und schieben uns an den anderen Booten  (die ersten drei

sind irgendwo weiter vorn) entlang nach vorn. Immer noch wie im Training. Die Hand reibt jetzt

allerdings schon ganz ordentlich, das gibt eine schöne Blase. Oh, jetzt wird's eng. Das Wasser rechts

ganz flach, Rumpf berührt den Boden, auch die Paddel schlagen gegen Steine. Leicht nach links

ausweichen. Dummerweise steuert das Boot neben uns nach rechts… Seitliche Kollision!! Linke Seite

aufhören mit Paddeln, rechte Seite weitermachen! Problem schnell gelöst, aber wieder kurz

abgebremst. Das ist Action, ein Wahnsinn. Vergiss die Rennen auf abgesperrten Bahnen! Vier Boote

 auf engstem Raum und auf gleicher Höhe in Richtung Ziel. Aber wo ist das Ziel?? Wurscht! Endspurt!

 

Im Training sind wir ja eh Endspurts über 1 km gefahren, also geht da nichts schief. Und wir sind echt

gut dabei. Drei Boote Kopf an Kopf. Nun gibt es allerdings verschiedene Bojen, die als Ziel in Frage

kommen. Ok, erst einmal Vollgas zur roten Boje. Da müssten wir vorn gewesen sein, aber das war

nicht das Ziel! Etwa, da hinten, die weiße Boje? Das ist nun doch noch ganz schön weit, das geht sich

nicht aus, hier muss doch noch einmal dosiert werden. Und NEIN!!! Das Ziel war schon da.

Vermutlich der Steg. So ein Misst. Ok, Unwissenheit schützt vor Schaden nicht. Somit waren wir ca.

 50 cm zurück und anstatt Vierte, Sechste geworden. Was ja eh super ist, wenn man gesehen hat,

dass wir im Mittelfeld voll mitmischen konnten, das war vor zwei Jahren noch anders, da sind wir

relativ deutlich hinterher gefahren. Aber ein bisschen ärgert man sich ob des Wimpernschlags (in der

ergebnisliste werden der Einfachheit halber zwar Sekundenabstände angegeben, es war aber

definitiv weniger.) halt trotzdem. Denn immerhin waren es 8000 m und dann so knapp! Trotzallem:

Zufriedenheit! Strahlende Gesichter (sofern es die Erschöpfung zulässt). Und hey: unter 45 min!!

 

Nach einer Pause die Fortsetzung der "Dragolympischen Spiele" die Rennen sind ja nur ein Teil

davon. Jetzt folgen noch Disziplinen wie Tauziehen, Paddelweitwurf, Drachencurling, Drago-Ski,

Drachenschießen, Drago-Ping-Pong und Bierkistenstapeln. Einige Dinge hatten wir im Vorfeld extra

ein- oder zweimal geübt… Das darf man ja eigentlich nicht verraten… Ebensowenig, wie um meine 

Leistung beim Drachenschießen (eine spezielle Form des Zielwerfens) und beim Ping-Pong

("Rundlauf" bzw. "chinesisch" mit Minipaddeln) der Mantel des Schweigens gehüllt werden sollte…

Kein Treffer beim Werfen und kein Ball in der anderen Hälfte beim Ping-Pong. Nur gut, das Dieter

 und Georg besser trafen und Felix (sein Auftritt reif für die Vereinsgeschichtsbücher!) den Celluloid-

Ball immer wieder ins Ziel brachte.

 

Was war sonst noch bemerkenswert:

 

"Aha, die Tätowierung muss gezeigt werden!" (Ausspruch einer Dame beim Anblick Davors beim

Drachencurling.). Und etwas später: "Das sind ja alles Frauen! Cool!" (Dieselbe Dame, als sie

bemerkte, dass bei uns die Frauen einen Mann werfen.)

Beim Tauziehen hat man gegen echte "Pfundskerle", die zudem noch wissen, wie es geht, eher

schlechte Karten.

Ski-Fahren ist selbst auf den Elbwiesen nicht ungefährlich (Zum Glück ist Juliane nichts schlimmeres

passiert, der Tag war für sie aber leider gelaufen.).

Im Bierkistenstapeln, eigentlich "unserer" Disziplin haben wir diesmal ganz schön Federn lassen

müssen.

In der Thekenpokalwertung wurden wir Dritte. Ohne Beitrag meinerseits…

Das abendliche Sitzen am Feuer war gemütlich und österreichisches Liedgut ist auch bei den

Deutschen beliebt. Auch wenn zumindest einer (leicht angeheitert) den Unterschied zwischen

Fürstenfeld und Fürstenfeldbruck nicht kennt…

 

Bleibt mal wieder das Resümmee:

Dresden ist und bleibt für mich einfach der schönste Wettkampf, an dem wir teilnehmen (auch wenn

ich erst das zweite Mal dabei bin), weil: Massenstart-Langstrecke auf Fließgewässer (mehr Action gibt

es im Drachenbootsport nicht), schöne Landschaft, schöne Stadt, DIY – Charme, sehr moderate

Verpflegungspreise,… Und: Auf der Langstrecke kann man auch mit zunehmendem Alter noch

reüssieren, brauch keine Angst vor der (Sprint-) Jugend zu haben… ;-)

 

Comments