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Die Wiener, die ja gar nicht so grantig sind – Hannover 2013

veröffentlicht um 02.07.2013, 13:45 von Thomas K.   [ aktualisiert: 14.07.2013, 12:53 ]

Das Pfingstwochenende also nach Hannover! Ja, nach Hannover, zu einem der größten und sportlich hochwertigsten Wettkämpfe im deutschsprachigen Raum. Der Ruf des Rennnens ist legendär. Klar ist, hier gibt es für ein österreichisches Team nichts zu holen. Das ist schon etwas anderes als die lokalen Wettkämpfe in der näheren Umgebung. Ich denke, das erleben alle österreichischen Flachwassersportler, vorwärts oder rückwärts fahrend, auf Ihren Reisen zu gut besetzten Wettkämpfen beim nördlichen Nachbarn (Streng genommen geht es den Slalompaddlern auch nicht anders.). Somit stellt sich die Frage, in welcher der vier Klassen man starten soll? FunSport oder Breitensport (FunFun und Leistungssport gibt es auch noch, aber für FunFun trainieren wir einfach doch zu regelmäßig und sind zu ehrgeizig und hey, wer will beim Leistungssport schon Bootslängen hinterher paddeln?). Im FunSport wäre vermutlich eine vordere Platzierung möglich, im Breitensport  müssen wir schauen, nicht letzte zu werden, denn diese Klasse ist für Vereinsmannschaften gedacht. Wir entschieden uns für Breitensport mit dem Ziel wenigstens Vorletzter zu werden. Durchaus ambitioniert!

Der erste Wettkampf, zu welchem der Großteil der Vienna Dragons mit dem Flugzeug anreist. Freunde der Messko – Drachen und aus anderen Teilen Deutschlands werden uns unterstützen. Am Flughafen angelangt, musste ich wieder feststellen, dass ich das Leitsystem oder vielmehr das, was es beschreibt, also den Weg zu den Check-In-Schaltern, seit der Erweiterung immer noch nicht verstehe. Aber ich bin ja auch kein Raumplaner oder Großgebäudearchitekt. Wenn man da mal auf dem letzten Drücker mit der Bahn ankommt…

Während des Fluges der erste Schock. Ein kleines Nickerchen und auf einmal ist meine Brille weg! Verzweifeltes Suchen. Nichts. Meine Laune auf dem Tiefpunkt. Aber Abwarten, wenn wir gelandet sind, wird man besser suchen können. Unendliche Minuten. Aber dann, kurz vor der Landung eine Durchsage vom Steward, dass eine Brille bis zum Ende des Flugzeuges durchgerutscht ist. Welch Glück! Unbeschädigt. Immerhin sechs oder sieben Reihen weiter hinten… Ein gutes Omen?

In Hannover angekommen zum Hostel und dann gleich, ca. halb Zwölf, noch auf der Suche nach etwas Essbarem. Aber in unmittelbarer Nähe der Unterkunft war schon überall Küchenschluss (abgesehen vom Pizzalieferservice), also wenigstens energiehaltige Getränke. Für mich gab's Kirsch-Bananen-Saft, einen kleinen Klassiker in Deutschland. Ein Platzregen, aber zum Glück war es ja nicht weit zurück. Am nächsten Morgen zeitig raus aus dem Bett, Frühstück war schon um 7:30. Und es war sehr gut. Am Fruchtquark (Ja, ich weiß, aber wir sind ja schließlich in Deutschland, wo es halt so heißt, somit darf ich dieses Wort ungestraft verwenden.) konnte ich natürlich nicht vorbei. Und zwei Nachschläge waren auch noch drin… An Energie wird es nachher beim Rennen also nicht mangeln!

Durch regenbedingten Morast gekämft, bezogen wir unseren Lagerplatz auf einer Wiese, neben den Drachenpötern, welche uns auch ein Zelt zur Verfügung stellten. Mit Scherengestänge, also war es schnell aufgebaut. Später dann zum Startgelände. Soviele Mannschaften! Aber klar, wenn immer sieben Teams gegeneinander fahren. Und soviele Leute, die nach Paddelmaschinen aussehen! Aber egal, lassen wir das Ganze auf uns zukommen. Und das erste Rennen lief hervorragend. Obwohl nur mit 18 PaddlerInnen im Boot, fuhren wir unsere beste Zeit des Tages. Und vor allem: Der Abstand zum Team "Krosse Krabben", den späteren Siegern, betrug weniger als eine Sekunde! Hat möglicherweise an der für uns recht hohen Schlagfrequenz gelegen. Die Leistung konnten wir nicht ganz wiederholen, aber am Ende waren in unserer Klasse, dem Breitensport, immerhin drei Mannschaften hinter uns. Supersache, denn wie zu Beginn schon angedeutet, war die "Gefahr", auf dem letzten Platz zu landen, nicht gerade gering.

Am Abend konnte ich mich dann überzeugen, dass in unserem Zimmer eine Dusche war. Obwohl als Kabine im Zimmer stehend hatte ich diese abends und in der Früh nicht bemerkt. Und das Zimmer war nicht riesig oder verwinkelt… Das kann man nur mit Fokussierung auf den Wettkampf begründen… Viel Zeit war nicht, denn wir wollten ja noch zur Party mit Siegerehrung. In einer richtig großen Halle, der ehemaligen Stadionsporthalle. Dort fiel bei der Nennung unserer Platzierung durch den Moderator auch der titelgebende Satz. Was sagt uns das? Zum einen, dass er uns ganz gut eingeschätzt hat, zum anderen, dass man auch in Norddeutschland vom Wiener Grant gehört hat. Ob letzteres nun unbedingt positiv zu werten ist, sei dahin gestellt…

Am nächsten Tag dann die 500 m, vermutlich die schwierigste Strecke, da das Tempo kaum geringer als bei den 250 m ist, die Strecke allerdings doppelt so lang. Da es bei mir am Samstag eigentlich richtig gut lief, sollte es doch heute nicht ganz schlecht werden. Und so war es dann auch. Das Ganze fing ja schon mit tollem Sonnenschein an. Welch ein Pingstsonntag! Was für ein Getümmel an der Seepromenade! Soviel Leute hätte ich nicht erwartet. Volksfestartige Zustände. Camenbert-Preiselbeer- und Kinderschokolade-Crepes!  Und die Rennen liefen auch erstaunlich gut. Vorletzte, also Ziel erreicht! Zumal die Abstände zu einigen Booten unmittelbar vor uns im Zehntelsekundenbereich lagen, also Grund zum Optimismus liefern. Die lange Mittagspause wurde übrigens mit Sichsonnen vor dem Mannschaftzelt bzw. mit dem Besuch des Sprengelmuseums verbracht. Das Museum hat sich voll gelohnt. Die permanente Ausstellung ist ja weithin für ihre gute Bestückung mit klassischer Moderne bekannt. Da gab es teilweise richtige Schlüsselwerke zu sehen, die man noch aus den Schulbüchern kannte. Und auch die gerade laufenden temporären waren interessant. Abends wieder zur Party, diesmal zur ganz großen, da auch Siegerehrung der Funteams war, welche ihre 250 m – Rennen ja an beiden Tagen hatten. Subjektiv würde ich sagen: Die Musik schlecht, aber die Stimmung gut! Passt schon, ist ja oftmals so. Ich bin da vermutlich auch etwas schwierig… Für den Rückweg in der Nacht werde ich aber beim nächsten Mal auch für Taxi plädieren… Halb 3 ins Bett und dann um 6:45 Uhr schon wieder am Frühstückstisch! Aber egal, das selbst zusammen gestellte Fruchtquarkpotpourri wird die Bestform wieder abrufen lassen. Und dann die "Pralinenherstellung". Soviel Energie! Wird aber auch nötig sein, denn heute stehen 4000 m  (Ja, in Worten viertausend Meter) auf dem Plan. Da sind andere Qualitäten gefragt als beim Schnellmalmitvielkrafteineminutelangreinhauen. Und die Unsicherheit. Wie soll man das Angehen, wird man falsch dosieren und der Ofen wird auf der Strecke ausgehen? Spannung schon im Vorfeld. Und dann das Rennen. Mit fliegendem Start, 15 Boote im Abstand von jeweils 10 s. Unbedingt vermeiden, dass wir nicht überholt werden! Taktisch klug zu den Wenden fahren. Es läuft gut. Priska an der Trommel und Christoph am Steuer geben den Takt vor. Leider hat niemand die Schläge gezählt, dann wüssten wir auch, wie oft Christoph "lang" gerufen hat, nämlich bei jedem Schlag. Lustig auch, dass das ja der Name von Priska ist… Nach ca. 1500 m schwächele ich ganz kurz, aber dann läuft der Motor richtig gut. Dass viel Beifall, Anfeuerung auch problematisch sein kann, erfahre ich nach der ersten Runde. Irgendwie hatte ich mich da kurz gefragt, wer das wohl sein könnte und war unkonzentriert. Und schon war ich 2, 3 Schläge aus dem Takt. Die zweite Runde dann richtig hart. Die Abstände zum Boot vor uns und hinter uns bleiben aber gleich. Super! Von weiter hinten kommen aber die Merkur Dragons. Kämpfen, nicht überholen lassen! Kurz vor Ende ziehen sie aber an uns vorbei. Das ist dann allerdings schon ein Leistungsunterschied! Aber nicht schlimm, schließlich waren wir wieder Vorletzte, also wieder das Ziel erreicht. Und nur zweieinhalb Sekunden hinter den Vorvorvorletzten. Das wäre doch noch gegangen! Aber klar, das ist halt beim Intervallstart so, dass man nie genau weiß, wo man steht. Beim Aussteigen merke ich, dass meine "Zughand" sogar ein klein wenig "verkrampft" ist, es etwas Aufwand erfordert, die Finger wieder gerade zu bekommen. Und alle sind so erschöpft. Ich habe jedoch den Eindruck, bei den meisten auch ein Glänzen in den Augen zu sehen. Langstrecke ist einfach super. Leider muss man dazu immer ins Ausland. Was aber andererseits auch nicht schlecht ist... 

Bei so einem perfekt organisierten Rennen war ich (und so ziemlich alle anderen von uns) noch nie. Armbänder zur Leistungsklasseneinteilung, Displays mit Startzeiten und Ergebnissen, Ergebnisse nach wenigen Minuten über Netz abrufbar, Gerüste beim Start, mit deren Hilfe sich ausgerichtet werden kann,… Aber klar, nur so ist ein solches Rennaufkommen zeitplangetreu zu bewältigen.

Übrigens war ich überrascht, dass Hannover immer als Referenz für das Hochdeutsche genannt wird. Für mich klang das alles deutlich Norddeutsch. Richtiges "Hochdeutsch" wird also doch nur von den Tagesschau- und Heute-SprecherInnen und am Burgtheater gesprochen!

Die lustigsten Teamnamen? "Alle Teams zur Turnierleitung!" (episch!) und "Karpfenverschieber"

Dank und viele Grüße an

Christoph,

Hubert,

Oliver,

Stefan,

Andreas,

Muriel,

Frances,

Nina S.,

Gerlinde

und die Drachenpöter,

 

die uns paddelnd oder organisatorisch unterstützt haben.

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