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Nein, auf der Wiesn waren wir nicht - München 2012

veröffentlicht um 29.10.2012, 15:47 von Thomas K.

Nun ging es also wieder nach München, zum letzten Rennen der Saison. Ich weiß gar nicht, wievielen Leuten man erklären musste, dass man nicht zum Oktoberfest fährt, sondern zum Drachenbootwettkampf… Die Personenanzahlvorzeichen waren dieses Jahr hervorragend. 18 Leute unseres Teams fanden die Zeit. Unser Warschauer Außenposten Gerald war darunter und Alice würde aus Düsseldorf zum Trommeln kommen. Und damit nicht genug! Diesmal waren wir als Renngemeinschaft angemeldet. Gemeinsam mit den Messko-Dragons aus Oberursel im Taunus (nein, nicht nur ein legendäres Ford-Modell der 70er und 80er Jahre hört auf den Namen Taunus) wollten wir die Rennen bestreiten. Eine Idee, die in Sankt-Jakob reifte. Dort hätte es ja beinahe eine erste kleinere Kooperation gegeben (siehe entsprechenden Rennbericht). Somit konnte von 30 bis 33 PaddlerInnen ausgegangen werden.

Also ging es Freitagnachmittag los in Richtung bayerische Landeshauptstadt. Als Mannschafts-treffpunkt wurde ein griechisches Spezialitätenrestaurant (ich weiß, umgangssprachlich hätte ich jetzt "beim Griechen" schreiben müssen) vereinbart. Dort war die Stimmung schon recht lustig, auch wenn nicht jeder (tiefe) Witz wirklich saß… Nach der Fahrt zum Regattagelände gleich einmal auf den Steg, ans Wasser. Ruhig und spiegelglatt liegt sie da, die Olympiastrecke von 1972. Ein Ruderweltcup fand hier dieses Jahr auch statt. Spätestens jetzt war klar, dass es ein sportliches Wochenende werden würde.

Ganz soviele einsatzfähige PaddlerInnen waren wir dann doch nicht, einige "Messkos" mussten absagen. Zwischen 4 und 5 Leute konnten aber immer gewechselt werden. Und ein Schlachtruf musste noch her. Was liegt da näher, als unseren Meldenamen leicht abgewandelt zu rufen. Dieser lautete "Vienna Dragons boosted by Messko Dragons". Das letzte "Dragons" wurde weggelassen, das typische "Wer sind wir" vorangestellt. Das Ganze zog sich dann mehrstimmig entsprechend der Team- und Sitzverteilung durchs Boot. Nicht immer elegant, aber speziell. Vor dem ersten Start noch ein kurzes gemeinsames Training. Drei Starts hintereinander. Warum ich diese mit hundert Prozent Einsatz gefahren bin, weiß nur der Drachenbootgott, der zumindest ein Psychologe sein sollte. Jedenfalls war ich schon jetzt am Ende… Gut, dass ich das erste Rennen nicht fahren musste. Dieses war noch etwas holprig, da passte die Abstimmung noch nicht ganz. Das zweite dann deutlich besser. Mental noch im 250 m – Denken verhaftet, war es eigentlich erstaunlich, wie schnell die Strecke von 200 m absoviert war. Da kann man ja beim nächsten Mal versuchen, noch etwas mehr aus sich raus zu kitzeln. C-Finale! Gemeinsam mit dem anderen Boot aus Wien, dem Dreamboot. Ziemlich starker Wind (zum Glück von hinten) und entsprechender Wellengang, letzterer wird erhöhte Konzentration beim Paddelnachvornführen verlangen. Das "Einschwimmen" (Danke an die Rennleitung, den Begriff werde ich mir merken, taugt mir. Obwohl ich ein duchaus respektabler Fernsehsportler bin, kannte ich ihn im Zusammenhang mit Paddelsport noch nicht.) an der Startlinie entsprechend kompliziert und langwierig. Und jetzt ALLES! Einigeklopft wie wild. Aber wie sieht das Ergebnis aus? Drei Mannschaften quasi gleichzeitig über die Ziellinie! JAWOLL, Wir sind vorn!!! "Die Elin" auf dem dritten. Das war zu Beginn der Saison nicht zu erwarten. Ok, sie waren nur 16 Leute an den Paddeln. Aber warum man dann nicht zumindest eine Trommlerin und eine/n Steuermann/frau "ausborgt", um 18 PaddlerInnen zu haben, wäre die nächste Frage an den Drachenbootgott… Andererseits hat ein etwas leichteres, höher aus dem Wasser ragendes, Boot bei Rückenwind und Wellengang auch gewisse Vorteile. Am Abend dann Siegerehrung und für den Sieg im C-Finale gab es einen Pokal. Somit gilt: Lieber Neunter und einen Pokal als Achter und keinen Pokal! Der Abend klang dann entweder auf der Drachenbootparty auf dem Renngelände oder in der Münchener Innenstadt aus.

Am Sonntag dann die 500 m – Strecke. Das wird spannend, denn mehr als 5 mal sind wir diese im Training nicht gefahren. Und wenn man bedenkt, dass da auch nicht immer alle der im Boot Sitzenden dabei waren… Hier sind Krafteinteilungsprobleme vorprogrammiert. Deshalb aber gerade interessant. Typischerweise sind weniger Teams am Start, die reinen Spaß-Truppen machen hier in der Regel nicht mit und auch die Wiesn und/oder die Party auf dem Wettkampfgelände setzt einige Leute außer Gefecht.  Leider waren wir das einzige Wiener Boot am Start, das Traumboot hatte seine Meldung kurzfristig zurück gezogen. Am Ende wurden wir gute Siebente von 12 Mannschaften. Das ist wirklich in Ordnung, wenn man bedenkt, dass es in Österreich nur 200 und 250 m Rennen gibt und somit die entsprechende Renn- und Trainingserfahrung fehlt. Und was soll ich sagen, schade, dass diese Distanz in Österreich nicht gefahren wird. Das war unglaublich, was da im Boot passiert. Wenn man merkt, wie alle irgendwann wegbrechen. Und trotzdem schauen, was noch irgendwie geht. Nie konnte ich den Teamgeist und Ehrgeiz im Boot stärker spüren (Dresden einmal ausgenommen, aber Langstrecke ist sowieso anders. Dieses Urteil erlaube ich mir jetzt einfach mal, obwohl ich diese erst einmal gefahren bin…). Das ist schon echter Sport! Und auch schön zu sehen, was die wirklich guten Teams aus Ungarn und Deutschland auf solchen Strecken zusammen bringen. Einige von uns wurden durch diesen Tag noch einmal zusätzlich motiviert. Mal sehen, wie lange sich dieser Zustand über die Herbst- und Wintermonate konservieren lässt … Ob wir das Boot im Dezember noch ins Wasser bringen?

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass am Sonntag richtiges Sauwetter war? Regen und Wind die ganze Zeit. Da hat es schon gewisse Vorteile, nur ca. 30 m von der Uferkante und dem Startbereich entfernt untergebracht zu sein…

Zusammenfassend kann resümiert werden, dass es ein Superwochenende war. Unsere Leistung schwer in Ordnung und das Drumherum super. Von Vereinen organisierte Veranstaltungen haben halt ihren eigenen Charme. Wenn einem zum Beispiel Mitgleider der Bavarian Kongs am Imbissstand gerade noch Getränke oder köstliche Mehlspeisen (zu sehr moderaten Preisen) verkauft haben und fünf Minuten später sitzen sie schon im Boot, um das Rennen zu fahren, freut man sich einfach über soviel Engagement.

Abschließend sollte auch noch einmal das wirklich gute Funktionieren der Renngemeinschaft erwähnt werden. Das hat gepasst. Zumal, wie mir hoffentlich alle zustimmen werden, wir auf vergleichbarem Paddelniveau waren. Denn sich mit ProfipaddlerInnen bei den Rennen zu verstärken, würde wenig Sinn machen. Danke Messko-Drachen, es war schön mit Euch.

Und ja, auf der Rückfahrt wurde der Beweis erbracht, dass die Benutzung einer Salat-Theke gelegentlich zwei Personen erfordert. Bei solch einem komplexen Problem auch nicht verwunderlich… Das ist Mannschaftssport auf allen Ebenen…

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