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Dem Himmel so nah - St. Jakob i.D. 2012

veröffentlicht um 01.10.2012, 14:08 von Thomas K.   [ aktualisiert: 01.10.2012, 14:16 ]

Vierzehn PaddlerInnen, großteils Leute, welche letztes Jahr in der einen oder anderen Weise auch schon den Obersee befahren haben, machten sich auf den Weg ins Hochland. Denn immerhin soll es ja das höchste Drachenbootrennen der Welt sein, was zwar schwer nachprüfbar, aber durchaus möglich ist. Die Mehrheit wollte die doch recht lange Anreise mit touristischen Aktivitäten verbinden und reiste deshalb schon am Donnerstagabend an. Immerhin sind ja Bergwandern, Rafting, Canyoning, Bergradlfahren und andere sommeralpine Freizeitbeschäftigungen möglich, welche der/die FlachlandgroßstädterIn nur in abgespeckten Varianten vor der (teils etwas entfernteren) Haustüre vorfindet. Und seien wir ehrlich, das andere landschaftliche Umfeld wirkt auch motivierend. Aber leider hatte sich der Wettergott gedacht, ein Bewässern der Bergbauernfelder könne nicht schaden und es kräftig und zwar ausgiebig regnen lassen. Agrarwissenschaften sind jedenfalls nicht sein Spezialgebiet, denn zuviel Feuchtigkeit erhöht den Ertrag nicht. Und schreckt auch WandererInnen von Ihrem Tagwerk ab. Weshalb einige gleich einmal den Weg über die Grenze nach Italien gewählt haben, denn wir wissen ja, dass sich in Österreich seit jeher das Stereotyp des sonnigen Italiens hält. Und die Smartphones mit Ihren Wettervoraussagen bekräftigten diese Annahme. Sehr sonnig war es nicht, aber zumindest regnete es nicht, wie Fotos bewiesen. Anderen, den mehr am kalkuliert erhöhten Adrenalinausstoß Interessierten, war das Wetter eh wurscht, denn wenn man sich durch Gebirgsbäche hangelt, gibt’s sowieso genügend Feuchtigkeit. Einige Unentwegte machten sich trotzallem auf, die Osttiroler Höhen zu Fuß zu erkunden, kehrten dann aber doch auf halber Strecke um. Aber halt, eigentlich waren wir ja zum Drachenbootfahren in Sankt Jakob. Dem/der aufmerksamen LeserIn ist sicher schon aufgefallen, dass wir nur 14 Leute waren, was ja unterhalb der Mannschaftsstärke ist. Aber kein Problem, von den Veranstaltern wurde zugesichert, dass es Verstärkungen aus der hiesigen Jungbauernschaft geben wird. Was ja nicht so schlecht ist, wenn unser mehrheitlich durch BüroarbeiterInnen angetriebenes Boot ein wenig durch kräftige Naturburschen befeuert wird. Aber leider waren beim angesetzten Training am Vorabend keine Jungbauern anwesend, jedoch zwei Kölner Touristen, ohne Paddelerfahrung, aber hoch motiviert.

Am Samstag nun das Rennen, der Rest der Truppe war mittlerweile auch eingetroffen. Das mitgebrachte Zelt war Goldes wert, sorgte es doch für eine Art Behaglichkeit in der sich an diesem Tag doch recht rau gebärdenden Umwelt. Aber nicht nur wettertechnisch, auch aus sportlicher Sicht war an diesem Tag von uns nicht viel zu erwarten. Was zum einen an der doch recht großen Anzahl guter deutscher Teams lag, die sind einfach eine Klasse besser. Zum anderen waren auch noch illustre Renngemeinschaften am Start. Aus Wien eine Kombination aus dem Dreamboot Elin, der derzeit vermutlich stärksten Wiener Mannschaft, den Uniqa-Drachen und dem Polizeisportverein, sozusagen eine kleine Auswahlmannschaft. Zudem hatten einige ortsansässige Wirte Mannschaften aus einigen wenigen Einheimischen und bei Ihnen untergebrachten deutschen Paddelmaschinen zusammengestellt. Mal sehen, ob mein Tipp "C-Finale" zutrifft…

Aber erst einmal galt es, dass Boot mit paddelnden Personen zu füllen. Die Kölner waren da, jedoch standen die angekündigten Jungbauern nicht zur Verfügung. Eigentlich hatten ja auch drei Burschen der Messko-Drachen aus Frankfurt zugesagt, diese wurdem vom Veranstalter aber in eines der angesprochenen "Wirten-Boote" gesteckt. Nun war ich mir nicht mehr sicher, ob sich das C-Finale ausgehen würde… Aber was soll man sagen, eine kurze Ansage vom Veranstalter über das Mikrofon und schon standen in weniger als einer Minute jede Menge Freiwillige bereit. Gleichzeitig hatte unser Trainer aber auch alte Beziehungen spielen lassen und kam gleich mit einem Schwung Leuten von den Hannoveraner "Drachenpötern" angelaufen. Dieses sofortige, unkomplizierte Einspringen kannte ich bisher von den Rennen mit ausschließlich österreichischen Teams noch nicht (Der "Funbereich" sei hiervon mal ausgenommen. Und ehrlich gesagt, ich zum Beispiel hätte auch (noch…) nicht die entsprechende Kondition für soviele Rennen.). Auch wenn man vielleicht nicht gleich von allen mit "Servus" und Zuprosten begrüßt wird, taugt mir diese Art des sportlichen Miteinanders sehr.

Unsere Leistung war passabel und mein Tipp "C-Finale" traf auch voll zu… Gewonnen haben wir dieses allerdings nicht… Beinah hätten wir am Abend auch noch die Siegerehrung verpasst, welche etwas zeitiger als geplant begann. Wir waren noch nicht richtig auf dem Festgelände angekommen, da hörten wir schon, der Elektroakustik sei Dank, den Aufruf unseres Teams über den Festplatz schallen. Jetzt noch schnell unser Schritttempo etwas erhöhen, einen Sprung auf die Bühne und die Hände zum Schütteln ausstrecken. Geschafft! Das war knapp! Gewonnen haben übrigens die "Krossen Krabben", ein Team der Fachhochschule Brandenburg. Hoffentlich ist das kein Fingerzeig in Richtung der Entwicklung der Hochschullandschaft, speziell in Österreich… Böse Zungen werden jetzt sagen: Eh klar, gleichgeschalteten FHlern fällt ein synchronisierter Sport leichter als anderen… Aber (schlechten) Spaß beseite: Gratulation! Wir wären auch gern einmal so schnell. Aber das wird wohl noch bis zur Erfindung des unsichtbaren Motors dauern.

Somit kann resümiert werden:

-       Trotz diverser Wetterunbilden war es wieder sehr schön, da sorgt dann schon die Landschaft dafür.

-       Nach Sankt Jakob kann man auch in Unterbesetzung fahren, das Boot wird schon irgendwie voll.

-       Und vor allem: AB JETZT WIRD ALLES ANDERS!   ;-)

PS. Abschließend noch ein ausdrücklicher Dank an unsere GastpaddlerInnen

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