Nachrichten‎ > ‎

Vom Donaukanal angetrieben - Viennautica 2014

veröffentlicht um 31.12.2014, 09:26 von Thomas K.   [ aktualisiert: 31.12.2014, 09:27 ]

Gestern noch in Litschau und heute schon in der U4 in Richtung Schleuse Nussdorf! Gemütlich mal

kurz “öffentlich“ zum Wettkampf anreisen hat schon auch etwas! Vor allem, wenn man dann

unterwegs andere Teammitglieder trifft, die in die selbe Bahn zusteigen. Vielleicht muss ich kurz

erklären, um was es heute gehen wird, denn es ist kein klassischer Drachenbootwettkampf.

Viennautica heißt eine zweitägige Veranstaltung, welche auf dem Donaukanal in Wien stattfindet.

Am Samstag bestreiten Rudereiner und tagsdarauf Ruderachter die Strecke von sechs Kilometern.

Aha, Rudern also. Was hat das Ganze mit Drachenboot zu tun? Am Sonntag, nachdem der letzte

Achter gestartet ist, wird es richtig spannend. Denn dann beginnt die Kanu-Challenge, eine

Massenstart-Regatta, bei der alle paddelnd betriebenen Wasserfahrzeuge ins Rennen gehen. Somit

sind dann Rennkajaks, Wildwasserregattaboote, Seekajaks, Faltboote, Canadier, StehpaddlerInnen

und auch Drachenboote gemeinsam unterwegs (und in gewisser Weise auch im Wettstreit).

Das Startgelände schon einmal recht lässig, wirkt wie eine Industrie-Gstettn. Beim Näherkommen

gleich eine gute Nachricht: Jeder Menge Elin-Trikots zu sehen! Das freut mich (und viele andere

unseres Teams auch), denn gerade in den letzten Tagen gab es immer wieder Gerüchte, das

Dreamboot würde sich möglicherweise auflösen. Wobei das mit Gerüchten natürlich immer so eine

Sache ist, aber einige Indikatoren ließen derlei Schlüsse zu. Das wäre nämlich echt schade für den

Drachenbootsport in Wien und Österreich. Und natürlich ist es so, dass die lokale Gegnerschaft

immer die ist, gegen die man auf keinen Fall verlieren will und man sich auch am meisten freut, wenn

man vorn ist, das ist beim Drachenboot nicht anders als im Fußball oder Handball. Das ist halt

typische Lokalrivalität. Aber es ist einfach auch schön, wenn es einige Teams auf vergleichbarem

Niveau gibt, es immer wieder spannend ist und man vorher nicht voraussagen kann, wer jeweils vorn

sein wird. Sie werden aber nicht im Drachenboot starten, sondern in zwei Großkanadiern.

Damit wir nicht das einzige Drachenbootteam am Start sind, hat Lujza ihr slovakisches Team zur

Teilnahme überredet. Und langsam treffen sie ein. Oje, jede Menge Burschen mit Muskeln und vor

allem: mit Paddler-Unterarmen! Bleibt noch die geringe Hoffnung, dass es Kurzstreckenexperten

sind, die auf der Langstrecke schwächeln. Aber in diesem Fall wären sie vermutlich nicht extra

angereist. Jetzt sehe ich auch die Trikots, “Dracia Legia Trencin“. Die hätten ja eigentlich gestern in

Litschau sein sollen, waren dort Vorjahressieger.

 

Ich gebe es zu, ein bisschen Stolz war ich schon, dass ich dieses Mal am Schlag sitzen werde. Klar,

beim Training, gerade auch über die längeren Distanzen, sitze ich schon des Öfteren dort, aber

Wettkampf ist halt doch etwas anderes. Entsprechend aufgeregt bin ich, zumal das regelmäßige

Langstreckentraining schon wieder einige Monate zurück liegt. Aber erst einmal das Boot ins

Wasser. Was nicht ganz so einfach war, ging es doch eine sehr steile, schmale Treppe hinunter. Aber

letztendlich natürlich geschafft. Und nun mein eigentliches, natürlich selbst verschuldetes, Problem:

Ich hatte riesigen Durst und das Rennen steht noch bevor. Von zuhause extra nichts mitgenommen,

denn vor Ort wird es ja etwas geben… Denkste… Was also tun? Das Wasser im Donaukanal ist weit

von auch nur einer ansatzweisen Klarheit entfernt, eigentlich eine ganz schöne Brühe. Aber egal, hier

ist Handeln gefragt, bis wir im Ziel sind wird sich das etwaig resultierende Magenproblem sicher

noch nicht melden. Und somit habe ich es getan: einige Schluck vom trüben Nass. Genuss ist das

nicht… Nennen wir es Überlebenstraining. Wobei, die typischen Survival-Profis haben ja immer

Dinge zum Abkochen oder Entkeimen dabei… Nun also der Start. Wir sind fast die Letzten, die auf die

Strecke gehen. Und die Slowaken ziehen an, das sieht man schon auf den ersten Metern von hinten.

Meine Schlagzahl war auch gleich viel zu hoch, Felix neben mir und Helmut müssen mich

einbremsen. Das slowakische Team verhält sich sehr fair, sie warten auf uns, wollen nicht vom

Startvorteil profitieren. Also fliegender Start. Aber im Nu können sie sich wieder absetzen. Die sind

einfach besser. Scheinen das auch locker runter zu paddeln. Somit müssen wir uns damit begnügen,

einige Kajaks einzufangen. Und es ist anstrengend. Alle dachten irgendwie, die hohe Fließgeschwin-

digkeit im Kanal wird uns schon schön vorwärtsbewegen. Macht sie sicher auch, aber trotzdem weit

gefehlt, ich pfeife auf dem letzten Loch. Der große Abstand zum Drachenboot vor uns setzt auch nicht

gerade Energien frei. Also muss eine hypothetische Motivation her! Am Ufer  könnten ja Leute stehen,

die uns kennen. Vor denen will man natürlich einen guten Eindruck machen. Somit muss es zumindest

dynamisch aussehen! Harte Arbeit! Mittlerweile tauchen auch schon erste Orientierungspunkte auf.

Fernwärme, Friedensbrücke, Flex. Zeit für den Endspurt, denn irgendwo bei der Urania soll das Ziel sein.

Also, die letzten Reserven mobilisiert. So richtiges Endspurtfeeling kommt allerdings nicht auf. Wir bräuchten

ein sichtbares Ziel! Geschafft! Das Gegendieströmungpaddeln zum Aussteigesteg gar nicht so einfach…

Mehr als eine Minute hinter dem slowakischen Boot. Naja… Nun aber schnell etwas trinken! Und gemütlich

auf der Kanalmauer sitzen. Die Siegerehrung auch recht interessant, da ja jede Menge Boots- und Altersklassen

von RuderInnen und PaddlerInnen  bedacht werden müssen. Und irgendwie weht über dem Ganzen auch so

ein gewisser Hauch von Vereins- bzw. Verbandsmeierei. Was ja eigentlich eh gar nicht so schlecht ist…

Die Fließgeschwindigkeit und somit unser zusätzlicher Antrieb war immerhin so hoch, dass unsere

Durchschnittsgeschwindigkeit über die 6 km höher war als auf der Sprintstrecke…


Danke an Peter Widhalm für’s Steuern und für das Bereitstellen der Boote!

Und Lujza gebührt doppelter Dank. Zum einen dafür, dass sie das slowakische Team motivieren

konnte, mitzufahren, sodass wir nicht das einzige Drachenboot am Start waren. Zum anderen hat sie

uns dadurch möglicherweise den Sieg in Litschau erst ermöglicht, da das stärkste Konkurrenzteam

seinen Start zugunsten eines Starts bei der Viennautica abgesagt hat…  ;-)

Comments