Nachrichten‎ > ‎

Wer hätte das gedacht? - Defereggental 2014

veröffentlicht um 20.08.2014, 15:43 von Thomas K.

Da muss man den Sport schon lieben. Deutschland gegen Frankreich im WM-Viertel-Finale und wir

auf der Strecke nach St. Jakob. Irgendwann müssten wir doch endlich einmal anhalten, um zu essen…

Und ein Fernseher mit Fußball sollte auch in Betrieb sein. Ah, ein „Landgasthof“, ziemlich groß. Die

zweite Halbzeit läuft schon, also ist das die letzte Chance! Oje, kein Fernseher. Hilft nichts, in diesem

Fall ordnen wir das Ganze der Nahrungsaufnahme unter und bleiben. Hier ist die Welt noch in

Ordnung, oder auch nicht… Die Kartoffelpuffer, als einzige vegetarische Speise, mit Schweineschmalz

zubereitet. Also bleibt für mich nur gemischter Salat mit einer Scheibe nicht mehr ganz frischen

Brotes. Das Kochen haben sie hier definitiv nicht erfunden. Große Enttäuschung bei allen, also auch

bei den Fleischessern. Und das in einer Tourismus-Region, immerhin sind wir kurz vor Saalfelden.

Wenigstens in Brasilien läuft alles rund. 1 zu 0 für Deutschland. Halbfinale! Der/die geneigte Leser/in

merkt spätestens jetzt, dass ich aller Wahrscheinlichkeit nach kein Österreicher bin…

Nach Ankunft im Quartier noch schnell in die Gaststube, wo die anderen schon bzw. noch gemütlich

beisammen sitzen. Die meisten waren ja schon zur Abendbrotzeit dort. Im Vorraum jede Menge

ausgestopfte Murmeltiere. Naja… Einige eher mittelmäßige Schmähs vom Wirten. Das sollte sich die

nächsten Tage fortsetzen…

Samstag früh am Obersee erst einmal (wieder) eher bescheidenes Wetter, welches sich aber im Laufe

des Tages ziemlich schnell bessern wird. Ebenso wie die Laune von unserem Joker, welcher pünktlich

zur laut Programm angesetzten Teamkapitänsbesprechung war, aber leider als Einziger, sodass wir

nicht wussten, wann wir das erste mal dran sein werden. Und wie es das Schicksal will, müssen wir

im ersten Lauf ran. Oje, niemand ist vorbereitet. Hektik! Aus-/Umziehen, Paddel suchen, zum Wasser

laufen, Westen anziehen (diese sind hier Vorschrift), ins Boot steigen,… Kritik vom Organisator.

Eigentlich unangebracht, denn s. o. Und: Wo ist Priska?? Herbert kommt schon mit Ihrem Equipment

angelaufen. Noch einmal Hektik. Ein Grundbedürfnis dauert noch… Wir müssen ablegen.  

Nach den ersten beiden Läufen war klar, dass wir diesmal ernsthaft mitmischen können. Für die

Leute, die schon öfter am Obersee dabei waren, ich immerhin schon zum vierten Mal, eigentlich ein

Ding der Unmöglichkeit. Sind doch immer recht starke deutsche Teams am Start und mit den

Steeeldragons aus Brandenburg auch ein echtes Spitzenteam. Aber diese haben diesmal nur ein

Rumpfteam geschickt, die anderen bereiten sich auf eine Meisterschaft vor. Somit treten sie als

Renngemeinschaft mit den Ghostdragons aus Halle an. Und da ist dann zum Beispiel die Frage, ob

alle auf den optimalen Plätzen sitzen. (Diese stellt sich bei uns natürlich auch immer…) Andererseits

ist unsere “Wettkampfmannschaft“ fast vollzählig in Osttirol anwesend, was sonst eher nicht der Fall

war, und Ronny und Celli auch dabei. Soweit so gut, schauen wir mal wie es weiter gehen wird.

Im Finale kommt jetzt unser Joker zum Einsatz. Wir lassen uns diesmal “fremdsteuern“. Der Start. Wir

sind gut mit dabei. Vier Boote auf gleicher Höhe. Und so geht es weiter, niemand kann sich wirklich

absetzen. Unsere Maschine läuft echt gut, so nah waren wir hier noch nie bei der Musik mit dabei.

Und dann kommt der Schrei. Endspurt! Und was soll ich sagen, während das meist gerufen wird, wir

aber auf der Sprintstrecke dann eigentlich nicht wirklich schneller werden, geht diesmal ein echter

Ruck durchs Boot. Man kann sehen, dass Felix, Davor, Nina und Priska vor mir echt noch einmal

anziehen. Welch Körpersprache! Genauso ist klar, dass Ronny und Celli am zweiten Schlag anziehen

werden, das braucht man nicht zu sehen. Aber, es ist das GANZE Boot! Und da sind sie, die Schreie

der Anstrengung. Kurz vor dem Ziel ein kurzer Seitenblick. Das müssten wir geschafft haben. Aber

abwarten. Die Nennung der Ergebnisse, wie immer wird mit den Vierten begonnen. Dann der Dritte

und unser Name fiel noch nicht. Jetzt wird es spannend! Zweiter Platz für die Brandenburger /

Hallenser Renngemeinschaft. Ein Jubelschrei in unserem Boot. Wir haben auf dem Obersee gewonnen!!!

Unglaublich. Der erste Sieg für ein österreichisches Team. Und auch noch die beste

bisher hier oben von einer österreichischen Mannschaft gefahrene Zeit. Noch einmal: Unglaublich.

Ausgelassene Wasserspritzerei. Und auch ein riesiges Lob vom Steuermann, der uns sagte, dass der

Geradeauslauf hervorragend war, er die Hälfte der Strecke das Steuer aus dem Wasser nehmen

konnte. An dieser Stelle noch einmal Danke für das Steuern und das Lob. Hat uns stolz gemacht.

Danach Formationspaddeln (Oder gibt es eigentlich einen speziellen Namen dafür?) aller vier Boote

zum Ufer. Schön. Aber keine Zeit zum Feiern, gleich wird es noch das 1000 m – Rennen geben.

Fliegender Start, den uns niemand vorher richtig erklärt hat und wir auch keine diesbezügliche

Erfahrung haben. Wir verschenken hier einige Sekunden. Egal, das ist ja eh nur Draufgabe.

Angestrengt wird sich natürlich trotzdem. Für diese Distanz fehlt mir allerding etwas das Gefühl. Hier

stimmt meine Dosierung nicht, über die Strecke hätte ich etwas mehr Druck aufbringen können.

Einigen anderen ging es ähnlich. Am Ende dritter Platz von vier. Aber, wie gesagt: “Draufgabe“, denn

der Hauptwettbewerb ist der Sprint.

Jetzt darf dann auch gefeiert werden. Einige Übermütige springen ins eiskalte Wasser des Obersees,

manche lassen sich von einer Kuh, welche scheinbar durch die Sensation und vom Erfolg angelockt

wurde, abschlecken. Die Naturburschen und –madeln aus der Großstadt! Rauh solls gewesen sein.

Zurück zur Unterkunft, Entspannen und den Sieg genießen. In oder vor dem Haus. Die Jüngeren

springen auf dem Trampolin. Da ich mir dabei mal vor einigen Jahren auf einem Campingplatz in

Norwegen den Rücken verzerrt hatte (nicht schlimm natürlich, aber immerhin), lasse ich das lieber.

Aber Tischtennis klingt interessant. Bloß, wie wird die Platte aufgeklappt? Immerhin schauen sich bis

zu fünf Leute gleichzeitig den Mechanismus an. Keine Angst, nicht nur “TheoretikerInnen“, auch

Praktiker… Irgendwann funktioniert es dann endlich. Aber eigentlich ist eh zuviel Wind, somit sollen

die anderen spielen. Bei mir ist sowieso gerade die Luft raus, überwältigt vom Ereignis.

Die Siegerehrung und anschließende Party diesmal nicht am Hauptplatz sondern in einem großen

Festzelt beim Zollwirt. Von der Unterkunft aus leicht zu erreichen, nur ein steiles Wiesenstück nach

unten und einige Meter die Straße entlang. Lose am Eingang. Wenn ich schon kein Lotto spiele, bei

einer Lotterie bin ich natürlich dabei! Wir waren allesamt pünktlich! Klar, bei dem (einmaligen?)

Ereignis darf man nicht fehlen! Aber wann geht es endlich los? Jetzt. Aber das dauert. Wie immer

jede Menge Kategorien. Und dann endlich, Siegerehrung für das A-Finale. Einen Tunnel für die

Zweiten und Dritten gemacht, die Stimmung ist schon super. Und jetzt wir nach oben. Wenig Platz

auf dem Podium. Aufpassen, dass man den GoGo-Tänzerinnen (Ja, wenn man in Weitenegg eine

Erotic-Queen aufbieten kann, lässt sich St. Jakob nicht lumpen und lässt zwei Damen in

Supersuperhighheels auf die Bühne) nicht zu nahe rückt, denn der Security-Mann im Kampfoverall

schaut genauestens hin und ist sprungbereit. Jubel. Fotos. Jetzt der Tunnel für uns. Noch einige

Ansprachen. Schade, dass einige unserer Leute im Überschwang da jetzt nicht mehr zuhörten und

mit Pokalhaltefotos beschäftigt waren. Denn die Dankes-Rede von einem Mühlheimer an Moni und

Peter war echt schön. Persönlich und ergreifend.

Die Party beginnt. Es wird sofort geschunkelt, welch Überraschung bei soviel Anwesenden aus dem

Schunkelland Nr. 1 (auf diesen Titel sollte man nicht unbedingt stolz sein). Spätestens beim 3. oder 4.

Lied die ersten auf den Bänken. Normalerweise würde ich da “Oje, Frohnatur-Alarm“ sagen, aber

diesmal taugt‘s mir.  Nicht lange und eine Polonaise startet. Unsere Leute reihen sich gleich ein. Erst

einmal unauffällig verhalten… Aber dann, alte Obersee-Bekannte erkennen mich und machen eine

Lücke für mich frei. Also muss ich ran. Und wer hätte das gedacht, es macht echt Spaß!!! Vor allem,

wenn einem die Leute unseres Teams entgegenkommen und auch voll dabei sind.. Man lernt halt nie

aus… Hätte ruhig etwas länger dauern können… Dann die Tombola und eine Fortsetzung der

Erfolgsgeschichte. Immerhin ein Rafting-Gutschein und ein Übernachtungs-Gutschein wurden von

Priska und Celli gewonnen! Während der Rockklassiker (Stichwort Joan Jett, da erinnert man sich

irgendwie ans Ferienlager ca. 1982) war ich glücklicherweise nicht im Zelt. Die Gefahr, da mittun zu

müssen, wäre zu groß gewesen… Renn-Trikots werden wie wild getauscht. Ein Drittel unserer

Mannschaft hat schon WSW-Airdragons-Shirts. Die aber wirklich schön aussehen. Als ca. 22:30 Uhr

einige Leute aufbrachen, schloss ich mich an. Es gäbe ja auch noch ein Viertelfinale der WM im

Fernsehen. Nach 15 min eingeschlafen. Eh nicht schlecht, denn am nächsten Tag war eine

Wanderung angesetzt. Dem Teamgeist zuliebe sollte halb 10 gestartet werden (immerhin konnte ich

das am Vorabend noch von 10 herunter schrauben…). Was für eine größere Sache natürlich viel zu

spät ist, zumal am selben Tag noch nach Wien zurück gefahren werden soll. Nach dem gemeinsamen

Beginn dann relativ schnelle Auftrennung in die Gruppen mit den unterschiedlichen Zielen. Ich

natürlich im “Seespitzen-Team“. Vor zwei Jahren war das ja am Wetter gescheitert. Und auch dieses

Jahr sind wir nicht oben, immerhin etwas weiter, bis zum Oberseitsee. Weiter geht sich heute nicht

mehr aus, wie gesagt, die Rückreise… Und ich bin gerade auch nicht in bester Form… Beim nächsten

Mal müssen wir einfach deutlich eher losgehen.

Die Rückfahrt wieder super anstrengend. Ja, auch für die Mitfahrer auf der Rückbank. Aber kein

Vergleich mit den Leuten am Steuer. Diesen möchte ich diesmal an dieser Stelle dafür danken, dass

man immer die Gelegenheit hat, mitfahren zu können.

Zusammenfassend muss ich noch einmal bekräftigen, dass das Ergebnis ein Wahnsinn war, und sich

möglicherweise nicht so schnell wiederholen lassen wird. Aber, bei uns hat im entscheidenden

Moment einmal alles gepasst und wir haben halt die Gunst der Stunde genutzt… Yeah!

 

PS. Die eingangs gestellte Frage kann man mit “niemand“ beantworten.

PSS. Auch wenn es eigentlich klar erkennbar sein sollte, aber um Spekulationen vorzubeugen: Der

Joker war kein Fremder, sondern unser Steuermann, der, wenn es sein muss, natürlich auch zum

Paddel greift. Und es musste sein.

Comments