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Wir haben einen Lauf - Raabs 2014

veröffentlicht um 31.12.2014, 08:53 von Thomas K.   [ aktualisiert: 31.12.2014, 08:58 ]

Kennt Ihr diese Tage, an denen irgendwie nichts so richtig zusammenpassen will? Ich vermute, ja.

Aber dazu später.

Treffpunkt am Praterstern um 7:30 Uhr. Also, um Sechs aufstehen, gepackt und Verpflegung

zubereitet werden muss ja schließlich auch noch. Zwei Stunden Fahrt. Eigentlich würde ich gern

schlafen, aber versuche mich in Solidarität mit Fahrer und Beifahrerin zu üben. Irgendwann dann

 doch kurz eingenickt… Ich hätte lieber nicht auf den Rennplan schauen sollen, denn wir werden drei

 Stunden vor unserem ersten Start vor Ort sein. Frage mich gerade, ob wir da immer alle so zeitig

anwesend sein müssen, zumal die Teamkapitänseinweisung bis 10:30 gehen sollte. Und die Jobs der

Anmeldung und Informationseinholung und des Lagerplatzbesetzens könnten ja immer mal andere

Leute übernehmen, damit es dann nicht immer an den gleichen hängen bleibt (um etwaigen

Argumenten vorzubeugen…).

Irgendwie habe ich heute Puddingarme, weiß nicht, was los ist. Aber sicher nicht so schlimm,

gezogen wird ja eh aus dem Rücken, der Rest ist nur zum Halten des Paddels da und das geht immer.

Vom persönlichen Zustand abgesehen fehlen auch wieder einige HaudegInnen. Gerade hier, wo es

gegen einheimische Kraftlackeln, tschechische Teams und, nicht zu vergessen, den PSV gehen wird.

Unser Zelt dürfen wir nicht aufbauen, ein Pavillon wird jedoch errichtet, schließlich wurde Regen

prognostiziert. Und wenn sich schon die Polizei nicht an die Regeln hält (Die Polizeidrachen haben

 auch ein Mannschaftszelt aufgebaut)... Da müssen sich die VeranstalterInnen etwas einfallen lassen.

Klar, über 50 Großzelte gehen sich vermutlich nicht aus, aber ein Großteil der Wiese im hinteren

Bereich war ungenutzt. Und was, wenn es den ganzen Tag regnet? Bitte nicht mit “Wassersport“

oder “nur die Harten…“ antworten…

Das erste Rennen. Oje, sooo zäh. Wir haben echt zu kämpfen, sind am Ende knapp vorn. Das kann

doch nicht sein. Klar, es war ein Männerteam, aber keines, welches regelmäßig im Drachenboot sitzt.

 Die Zeit auch nicht berauschend, aber wir sind noch dabei. In den Wiener Booten scheint der Wurm

drin zu sein, denn auch die PolizistInnen sind eher langsam unterwegs. Und die haben immerhin die

letzten zwei Jahre hier gewonnen! Sind somit die Vergleichsgröße. Und wir hatten schon im Vorfeld

gehört, dass sie hier natürlich unbedingt das dritte Mal infolge gewinnen wollen, der Wettkampf

einer ihrer Höhepunkte der Saison ist. Und wieder eine g‘scheite Pause. Ist ja klar, denn immerhin

sind 56 Teams am Start und es können auf der schmalen Raabs immer nur zwei Boote gegeneinander

fahren. Gleich einmal nutzen, um am Hauptplatz Kaffee zu trinken oder zur Burg zu gehen. Ich war

bei Letzterem dabei. Eine Führung war gerade nicht und das wäre sich dann zeitlich auch nicht

ausgegangen. Aber der Vorhof war auch schon schön gemütlich. Und das Wetter super!  Konnte mich

noch richtig erinnern, dass es letztes Jahr am Renngelände Veggie-Burger gab. So auch heute. 4,20

für eine Kaisersemmel mit etwas Feta-Käse und ein wenig Salat. Was in Wien vermutlich zur baldigen

Schließung des Geschäftes wegen KundInnenmangels führen würde, wird aus Mangel an Alternativen

akzeptiert. Und nett waren die Standlerinnen ja eh…

Dann der nächste Lauf. Es war noch nicht klar, ob sich die besten 8 oder 16 Mannschaften für die

Finalrunden qualifizieren würden. Es wäre wichtig, zumindest die achtbeste Summationszeit zu

erzielen, um auf Nummer sicher zu gehen. Und wieder so zäh. Was ist nur los heute? Der PSV legt

 gerade die absolute Bestzeit hin. Ich werde langsam nachdenklich. Und das geht einigen anderen

von uns auch so. Viertelfinale wieder nur knapp und vor allem: Auf den letzten Metern kommen die

anderen immer noch auf. Eigentlich müsste das ja unser Vorteil sein, denn wir haben gut trainiert.

Und egal, ob das jetzt Boote mit lauter Burschen sind, die haben keine Paddelerfahrung und dürften

eigentlich gegen uns kein Land sehen… Ok, im Zweifelsfall schieben wir es halt auf die zur Verfügung

 gestellten Paddel… Gerade die erfahreneren Leute spüren, dass heute nichts gehen will. Warum nur,

warum nur? Wären wir doch nur nicht angetreten und hätten den Tag gemütlich in Wien verbracht…

Aber keine Zeit, noch mehr zu grübeln und zu hadern, denn jetzt geht es Schlag auf Schlag, die

 Pausen in der Finalrunde sind sehr kurz. Halbfinale wieder knapp, aber doch gewonnen!

Finale. Aufgrund unserer schlechteren Qualifikationszeit werden wir auf der bekanntermaßen etwas

langsameren Bahn sein, wobei geschickt gesteuert der Unterschied nicht so groß sein sollte. Peter

Widhalm wird uns steuern. Nach dem Einsteigen stellt er fest, dass wir vorn zu tief liegen, das Boot sich

nach unten neigt. Also schnell noch einmal alle eine Bank nach hinten. Echter Optimismus sieht

anders aus. Der Zeitabstand zwischen unserem besten Qualifikationslauf und dem Traumlauf der

Police Dragons scheint einfach zu groß. Und vor allem tun Niederlagen gegen die Konkurrenz aus der

 unmittelbaren Umgebung immer besonders weh. Aber egal, da müssen wir jetzt durch. Unser Gang

nach Canossa. Aber dann!!! Den Start gut erwischt, wir sind dabei. Es läuft viel besser als zuvor. Vor

uns die Brücke. Jetzt kommt es drauf an, wie wir da durchkommen. Die vorn Sitzenden vermeinten

immer ein Abbremsen des Bootes zu spüren, im bewegten Wasser etwas weiter hinten habe ich das

 nicht bemerkt. Diesmal (selbstverständlich im nachhinein besprochen) war das nicht der Fall. Hinter

der Brücke sind wir leicht vorn (natürlich nur gefühlt, denn ich schaue ja nicht rüber…). Aber das ist

noch so weit! Andererseits läuft das Boot so gut, dass die ganze Angelegenheit weniger anstrengend

erscheint als in den Runden zuvor. Endspurt. Das Ziel kommt näher und näher. Wir werden

zumindest nicht langsamer. Aber beide Boote nahezu gleichauf. Die letzten Schläge noch einmal alles

und ja!!! Wir sind vorn!!! Auch wenn es natürlich noch nicht offiziell ist, aber einige von uns haben es

 gesehen und die Körperhaltung der PolizeisportlerInnen zeigt es auch. Quasi in ihrem Wohnzimmer

besiegt… (Die Finalanalyse der PSVlerInnen machte dann später eine zu hohe Schlagfrequenz als

Ursache aus. Das kann schon sein, denn einer der Schlagleute ist, wenn es gegen uns geht, immer

besonders motiviert, diesmal vermutlich sogar etwas übermotiviert…  ;-)  Dann passiert es selbst sehr

erfahrenen Paddlern, dass sie mal überziehen. Aber das macht die Sache ja auch interessant.)

Das war diesmal ein Jubel. Während sonst abgeklatscht wird, sind wir uns alle regelrecht in die Arme

gefallen. Da ist eine Last abgefallen, unglaublich. Gerade im richtigen Moment unser Potential

abgerufen. Auch wenn klar war, dass die Läufe davor irgendwie misslungen waren, aber wer rechnet

schon damit, dass es dann im entscheidenden funktioniert. Auf dem Rückweg zur Liegewiese noch in

den Springbrunnen auf dem Hauptplatz. Welch  ein Geplantsche! Der Großteil der drei

erstplatzierten Teams im Brunnen und selbstverständlich gab es auch eine Polonaise. Das wird wohl

noch unser Tanz des Jahres werden… 

Mittlerweile machen Siegerehrungen noch mehr Spaß als die vergangenen Jahre. Woran das wohl

liegt…? Wobei die Aufstellung der Teams schon etwas eigenartig war, nicht im klassischen Stil, die

Sieger in der Mitte, sondern links außen (von vorn gesehen), weil die Mannschaften nacheinander

von dieser Seite ausgehend die Bühne befüllten. Und der Pokal… Nun ja, was soll man dazu sagen…?

Das kommt heraus, wenn lokale Handwerker glauben, sie müssten jetzt auch noch Kunst machen… ;-)

Ich sage nur “Schuster (in diesem Falle Glaser) bleib bei Deinen Leisten (Fensterrahmen)“ Aber egal,

wird schon auf der Vitrine Platz haben. Und immerhin passt er gerade so in Nina‘s und Felix‘

Kofferraum. Und speziell, das muss man dem Pokal lassen, ist er auf jeden Fall…

Somit bleibt festzuhalten: Auch wenn der Großteil des Tages eine eher sehr zähe Angelegenheit war,

kann er am Ende immer noch in eitel Sonnenschein und Glückseeligkeit enden.

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